Mal ehrlich : Du brauchst keinen Onkel mit eigener Firma und keine Mutter, die „da zufällig jemanden kennt“. Ein Schülerpraktikum zu finden, wenn man niemanden kennt, ist kein Glücksspiel – es ist eine Methode. Und die besteht im Kern aus drei Dingen : dein verstecktes Umfeld abklappern, kleine Betriebe direkt ansprechen und früh genug anfangen. Klingt unspektakulär ? Ist es auch. Funktioniert aber besser als jede Beziehung.
Bevor wir loslegen, eine Sache, die dir keiner sagt : Die wenigsten Jugendlichen haben „Connections“. Das Schülerbetriebspraktikum steht meist in der 8. oder 9. Klasse an, dauert ein bis drei Wochen – und gefühlt sitzen alle im gleichen Boot und fragen sich, wo man bitte anfangen soll. Du bist also nicht der Einzige. Atme einmal durch. Es ist machbar.
Niemanden zu kennen ist normaler, als du denkst
Ich finde ja, der größte Fehler ist dieser Glaube : „Die anderen haben alle Vitamin B, nur ich nicht.“ Quatsch. Die meisten Plätze gehen nicht an Kinder von Chefs, sondern an die, die sich einfach getraut haben zu fragen. Das ist die unbequeme, aber gute Nachricht : Mut schlägt Beziehungen.
Und ein Praktikum ohne Beziehungen hat sogar einen Vorteil – du suchst dir den Bereich wirklich nach Interesse aus, nicht weil „Papas Kollege halt was frei hatte“. Was interessiert dich denn überhaupt ? Schreib das zuerst auf, nicht zuletzt.
Dein Netzwerk ist größer, als du glaubst
Jetzt der Teil, an den fast keiner denkt. Du kennst nämlich Leute – du nennst es nur nicht „Netzwerk“. Geh mal in Gedanken durch :
Der Bäcker, bei dem du jeden Morgen dein Brötchen holst. Die Tierarztpraxis um die Ecke. Die Kfz-Werkstatt, in der das Auto deiner Eltern repariert wird. Dein Hausarzt, die Apotheke, der Friseur, der Verein, in dem du trainierst. Die Eltern deiner Freunde – einer davon arbeitet garantiert irgendwo, wo ein Praktikum möglich wäre.
Mich hat damals überrascht, wie schnell so eine Liste voll wird, wenn man sich fünf Minuten hinsetzt. Mach das. Zwanzig Namen, ganz ehrlich, das schaffst du. Und plötzlich kennst du eben doch jemanden.
Einfach hingehen und fragen : der unterschätzte Klassiker
Hier kommt der Punkt, der wirklich den Unterschied macht. Die meisten Betriebe schreiben ihre Praktikumsplätze nirgends aus. Es gibt keine Anzeige, keine Stellenseite, nichts. Heißt im Klartext : Wenn du nur online suchst, siehst du vielleicht zehn Prozent der Möglichkeiten. Den Rest bekommst du nur, wenn du fragst.
Und damit meine ich : persönlich reingehen. Bei einem kleinen Laden oder einer Werkstatt bringt das oft mehr als jede E-Mail. Du gehst rein, fragst freundlich nach dem Chef oder der Chefin und sagst einen Satz wie : „Hallo, ich bin Lena aus der 9. Klasse und suche für zwei Wochen im März ein Praktikum. Hätten Sie vielleicht Platz ?“ Fertig. Mehr braucht es am Anfang nicht.
Klingt das ein bisschen einschüchternd ? Klar. Aber genau deshalb machen es so wenige – und genau deshalb funktioniert es bei dir.
Wo du suchst, wenn wirklich niemand da ist
Angenommen, dein Umfeld gibt nichts her. Auch kein Problem, dafür gibt es Anlaufstellen, die kostenlos sind und genau für dich da :
Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit. Die kommt oft sogar in die Schule, und du kannst dort einen Termin machen. Die Leute kennen die Betriebe in deiner Region und sind erstaunlich hilfsbereit. Nutz das, im Ernst.
Deine Schule selbst. Viele Schulen haben Listen von Betrieben, bei denen schon frühere Schüler waren. Frag den Klassenlehrer oder die Person, die die Berufsorientierung betreut. Warum kompliziert, wenn jemand das Telefonbuch schon halb für dich gefüllt hat ?
Online-Portale und planet-beruf.de. Praktikumsbörsen im Netz, Plattformen wie stagedecouverte13.fr und die Seite der Bundesagentur für Arbeit für Jugendliche geben dir Ideen, welche Berufe es überhaupt gibt – manchmal ist die halbe Miete einfach zu wissen, dass es einen Beruf gibt, von dem du noch nie gehört hast.
IHK und Handwerkskammer. Die wissen, welche Betriebe in deiner Stadt ausbilden – und wer ausbildet, nimmt oft auch Praktikanten.
Der Anruf, vor dem sich alle drücken
Telefonieren. Igitt, oder ? Ich kenne keinen, der das gern macht. Aber ein Anruf bringt dir in zwei Minuten eine Antwort, auf die du per Mail zwei Wochen wartest – wenn überhaupt.
Schreib dir vorher kurz auf, was du sagen willst, dann zittert die Stimme weniger. Etwa so : Name, Klasse, dass du ein Praktikum für welchen Zeitraum suchst, und die Frage, an wen du dich wenden kannst. Wenn ein Nein kommt – und es werden Neins kommen – dann fragst du einfach : „Kennen Sie vielleicht jemanden, bei dem es klappen könnte ?“ Dieser eine Zusatzsatz hat mir mal einen Platz beschert, an den ich selbst nie gedacht hätte.
Und wenn trotzdem alle absagen ?
Dann liegt es fast nie an dir, sondern am Timing. Fang früh an – im Idealfall zwei bis drei Monate vorher. Wer zwei Wochen vor knapp anruft, kriegt natürlich öfter ein Nein, weil die Plätze schon weg sind.
Und denk groß und klein zugleich : Die große Firma mit der schicken Website hat oft schon hundert Anfragen. Der kleine Handwerksbetrieb zwei Straßen weiter ? Da hat noch nie jemand gefragt. Genau da sind deine besten Chancen.
Also – wen rufst du als Erstes an ? Schnapp dir deine Liste, fang ganz oben an, und arbeite dich runter. Spätestens beim fünften Versuch sitzt der Satz, versprochen.
